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Österreich baut souveräne künstliche Intelligenz auf: AI Factory Austria und heimische Rechenzentren

tech2026-08-20 · 3 min read · 64 reads

Österreich stärkt seine Position als KI-Standort mit der AI Factory Austria und souveränen, DSGVO-konformen Rechenzentren. Ziel ist eine unabhängige, europäische künstliche Intelligenz.

Österreich verstärkt seine Bemühungen, sich als bedeutender Standort für künstliche Intelligenz in Europa zu etablieren. Im Mittelpunkt dieser Entwicklung steht der Aufbau einer eigenständigen, souveränen KI-Infrastruktur, die den hohen europäischen Datenschutzstandards entspricht und die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern verringern soll.

Die AI Factory Austria als nationales Zentrum

Österreich baut mit der AI Factory Austria und souveränen Rechenzentren eine eigene KI-Infrastruktur auf. (Symbolbild)
Österreich baut mit der AI Factory Austria und souveränen Rechenzentren eine eigene KI-Infrastruktur auf. (Symbolbild)

Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist die AI Factory Austria, kurz AI:AT. Dabei handelt es sich um das nationale Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz in Österreich. Geleitet wird die Initiative vom AIT Austrian Institute of Technology gemeinsam mit der Advanced Computing Austria, und sie ist zudem Teil des europäischen EuroHPC-Netzwerks.

Die Initiative bündelt Hochleistungsrechner, Fachwissen sowie praxisnahe Unterstützungsangebote unter einem Dach. Derzeit greift man auf den Supercomputer Leonardo im italienischen Bologna zurück. Darüber hinaus wurde im Juli 2025 das Rechnersystem MUSICA in Betrieb genommen, während ein eigenes leistungsstarkes System für Ende 2027 geplant ist.

Ein Zentrum für Zusammenarbeit

Um die Zusammenarbeit innerhalb der Branche zu fördern, wurde im Februar 2025 in der Wiener Landstraße ein eigener Coworking Hub eröffnet. In diesem Zentrum sind bereits über 20 Technologieunternehmen aktiv. Dazu zählen etwa Zenta Solutions aus dem Bereich Digital Health, Wictory.ai aus dem Sportbereich sowie Neoalp, das sich mit humanoiden Robotern beschäftigt.

Umfangreiches Trainingsangebot

Ein weiterer Schwerpunkt der AI Factory Austria liegt auf der Aus- und Weiterbildung. Seit Juli 2025 wurden bereits 73 Trainings durchgeführt, an denen über 2.700 Teilnehmende aus insgesamt 35 verschiedenen Ländern teilnahmen. Die Themen reichten dabei von generativer KI über maschinelles Lernen bis hin zu vertrauenswürdiger und agentenbasierter KI.

eustella als europäische Alternative

Ein besonders bemerkenswertes Projekt aus diesem Umfeld ist die Anwendung eustella. Sie wird von dem Unternehmen newsrooms.ai betrieben und wurde Ende Juni 2025 gestartet. Positioniert wird eustella ausdrücklich als eine europäische Alternative zu den bekannten Diensten wie ChatGPT, Claude und Gemini, was ihre besondere Ausrichtung unterstreicht.

Der Fokus dieser Anwendung liegt auf mehreren wichtigen Aspekten. Dazu gehören die Nutzung einer europäischen Cloud-Infrastruktur, der Einsatz von sogenannten Open-Weight-Modellen sowie die Einhaltung besonders hoher Datenschutzstandards. Damit soll den Nutzerinnen und Nutzern eine vertrauenswürdige und in Europa fest verankerte Lösung geboten werden.

Souveräne KI aus dem Raiffeisen Rechenzentrum

Neben der staatlich unterstützten Initiative gibt es auch private Vorstöße für eine souveräne KI. Das Raiffeisen Rechenzentrum, kurz RRZ, mit Standorten in Linz und Graz, bringt mit seiner AI Factory eine sichere und lokal gehostete künstliche Intelligenz auf den Markt. Diese Lösung ist vollständig konform mit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung.

Die Lösung des Raiffeisen Rechenzentrums basiert auf europäischen Open-Source- und Open-Weight-Sprachmodellen. Der Betrieb erfolgt dabei ausschließlich im Hochsicherheitsrechenzentrum in Graz-Raaba. Die Integration in bestehende Systeme wird über standardisierte Protokolle ermöglicht, etwa über das sogenannte Model Context Protocol.

Höchste Sicherheitsstandards

Die Sicherheit spielt bei diesem Angebot eine herausragende Rolle. Das Rechenzentrum in Graz-Raaba verfügt über eine umfangreiche Ausstattung, darunter einen Laser-Vorhang rund um das Gebäude sowie etwa 100 Überwachungskameras. Hinzu kommen strikte Zugangskontrollen, eine ausfallfreie Stromversorgung und mehrfach redundante Internetverbindungen für den sicheren Betrieb.

Die technische Fläche des Rechenzentrums umfasst mehr als 4.500 Quadratmeter. Angeboten wird die Lösung zu einem Preis ab 30 Euro pro Nutzer und Monat. Als Zielgruppe gelten vor allem Versicherungen, Banken, Behörden, Energieversorger sowie Forschungseinrichtungen mit besonders hohen Anforderungen an die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften.

Die Warnung vor Abhängigkeiten

Hinter diesen Bemühungen steht auch die Sorge vor einer zu großen Abhängigkeit von ausländischen Anbietern. Wilfried Seyruck, der Geschäftsführer des Raiffeisen Rechenzentrums, warnte eindringlich vor den möglichen Folgen. Nach seinen Worten könnten bei einem Ausfall US-amerikanischer Cloud-Dienste binnen einer Stunde ganze europäische Staaten stillstehen.

Ein wachsendes Ökosystem

Die verschiedenen Initiativen zeigen, dass in Österreich ein lebendiges und wachsendes Ökosystem rund um die künstliche Intelligenz entsteht. Sowohl staatliche als auch private Akteure arbeiten daran, die technologischen Grundlagen für eine unabhängige und sichere Nutzung dieser Zukunftstechnologie zu schaffen und diese langfristig abzusichern.

Insgesamt verdeutlichen diese Entwicklungen den klaren Anspruch Österreichs, bei der künstlichen Intelligenz nicht nur Anwender, sondern auch aktiver Gestalter zu sein. Mit dem Aufbau eigener Rechenzentren, europäischer Anwendungen und umfangreicher Bildungsangebote positioniert sich das Land als ernstzunehmender Akteur im europäischen KI-Wettbewerb.

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