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Künstliche Intelligenz aus Österreich: Rund 300 Start-ups, milliardenschwere Gigafabrik-Pläne und globale Erfolge

tech2026-08-20 · 3 min read · 36 reads

Österreichs KI-Ökosystem wächst rasant. Mit etwa 300 Start-ups, weltbekannten Forschungseinrichtungen und Erfolgsgeschichten wie Mostly AI oder Liquid AI positioniert sich das Land als ernstzunehmender Standort. Wien bewirbt sich zudem um eine milliardenschwere KI-Gigafabrik.

Österreich hat sich in den vergangenen Jahren still und leise zu einem bemerkenswerten Standort für Künstliche Intelligenz entwickelt. Abseits der großen internationalen Schlagzeilen ist im Land ein dynamisches Ökosystem aus Start-ups, Spitzenforschung und wachsender öffentlicher Förderung entstanden, das im Jahr 2026 zunehmend auch weltweit für Aufsehen sorgt und Investoren anzieht.

Ein rasch wachsendes Ökosystem

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut der AI Landscape Austria zählt das Land mittlerweile rund 300 KI-Start-ups und Unternehmen im Start-up-Segment, mit einem Nettowachstum von etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 30 Prozent der älteren Einträge wurden dabei durch neue Akteure ersetzt, was die enorme Dynamik dieser jungen Branche eindrucksvoll unterstreicht.

Geografisch konzentriert sich die Szene sehr stark auf die Bundeshauptstadt. Etwa 65 Prozent aller österreichischen KI-Start-ups sind in Wien angesiedelt, während sich die Region Graz und die Steiermark als Zentrum für industrielle KI und HealthTech etabliert haben. Linz wiederum hat sich einen Namen als Standort für die Grundlagenforschung im Bereich des maschinellen Lernens gemacht.

Untermauert wird diese Entwicklung durch eine dichte Landschaft an renommierten Forschungseinrichtungen. Dazu zählen die Technische Universität Wien mit ihrem Exzellenzcluster Bilateral AI, die Johannes Kepler Universität in Linz mit ihrer ELLIS-Unit, das Institute of Science and Technology Austria in Klosterneuburg sowie das AIT Austrian Institute of Technology, die gemeinsam für Weltklasse-Forschung sorgen.

Erfolgreiche Start-ups mit globaler Reichweite

Österreich entwickelt sich zu einem lebendigen Standort für Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. (Symbolbild)
Österreich entwickelt sich zu einem lebendigen Standort für Künstliche Intelligenz und Rechenzentren. (Symbolbild)

Zu den Aushängeschildern der heimischen Szene gehört das Wiener Unternehmen Mostly AI, das 2017 gegründet wurde. Die Firma, die sich auf synthetische Daten für das KI-Training ohne echte Personendaten spezialisiert hat, gilt in ihrem Bereich als Weltmarktführer. Chief Trust Officer Alexandra Ebert betont, wie wichtig es sei, dass KI-Innovation nicht nur von den großen Tech-Giganten komme.

Für internationales Aufsehen sorgt auch Liquid AI, dessen Vorstandschef Ramin Hasani bis 2021 an der TU Wien forschte und dessen Technikchef Mathias Lechner am IST Austria ausgebildet wurde. Das Unternehmen entwickelt ressourcenschonende KI-Modelle, die vom Nervensystem des Fadenwurms inspiriert sind, sicherte sich eine Finanzierung von 250 Millionen US-Dollar und verhandelt über einen EU-Hauptsitz in Wien.

Ein weiterer wichtiger Akteur ist NXAI aus Linz, das Ende 2023 vom renommierten JKU-Professor Sepp Hochreiter und Albert Ortig gegründet und von Stefan Pierer finanziert wird. Aus diesem Umfeld ging auch Emmi AI hervor, das KI-Simulationsmodelle für physikalische Prozesse entwickelt und im April 2025 mit 15 Millionen Euro die größte Seed-Finanzierung eines österreichischen Start-ups einsammelte.

Auch abseits dieser Namen gibt es zahlreiche Erfolgsgeschichten. Das Wiener Unternehmen enspired erweiterte seine Series-B-Runde auf über 40 Millionen Euro und zählt damit zu den größten Finanzierungsrunden des Landes. Prewave, ebenfalls aus Wien, analysiert mithilfe von KI Risiken in Lieferketten und bedient dabei prominente Kunden wie Ferrari und Lufthansa.

Die milliardenschwere KI-Gigafabrik

Das vielleicht ehrgeizigste Projekt ist die geplante KI-Gigafabrik in Wien. Die Stadt bewirbt sich als Standort einer von fünf geplanten europäischen Gigafabriken, also großflächigen Rechenzentren für das Training moderner KI-Modelle. Das geplante Investitionsvolumen liegt bei rund fünf Milliarden Euro, wobei ein nachhaltiges Konzept die Abwärme der Server ins Fernwärmenetz einspeisen soll.

Die Finanzierung dieses Vorhabens erfolgt über ein EU-Programm für Hochleistungsrechner, bei dem die Union 40 Millionen Euro beisteuert, die von der Bundesregierung verdoppelt werden sollen. Parallel dazu treibt die Initiative AI Factory Austria den Aufbau der Infrastruktur voran, deren KI-optimierter Supercomputer voraussichtlich im Jänner 2027 den Betrieb aufnehmen wird.

Begleitet wird all dies von einer wachsenden Förderlandschaft. Das Programm AI Mission Austria stellt beispielsweise 20 Millionen Euro aus dem Fonds Zukunft Österreich bereit, während insgesamt über 55 Millionen Euro an Fördermitteln verfügbar sind. Bemerkenswert ist zudem, dass laut einer EY-Umfrage rund 64 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher der Künstlichen Intelligenz positiv gegenüberstehen.

Trotz aller Euphorie gibt es auch Herausforderungen zu bewältigen. So sanken die Gesamtinvestitionen in österreichische Start-ups im ersten Halbjahr 2025 auf 100 Millionen Euro, den niedrigsten Stand seit 2019. Dennoch zeigt die Kombination aus Talent, Forschung und ambitionierten Infrastrukturprojekten, dass Österreich fest entschlossen ist, im globalen KI-Wettlauf eine gewichtige Rolle zu spielen.

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